Vita

Ulrike Blatter wurde 1962 in Köln geboren. Schon als Kind begann sie zu schreiben. Erste kleinere Veröffentlichungen (Lyrik) folgten mit Unterstützung eines Schreibprojektes für Jugendliche. 

“Ich konnte mir nie erklären, woher dieser Drang kam, jedes mir erreichbare Stück Papier vollzukritzeln. Was hatte ich denn schon mitzuteilen? Ich hatte ja noch nichts erlebt und führte ein rundum uninteressantes Leben.”

Sie studierte Medizin, machte eine therapeutische Weiterbildung und promovierte in Rechtsmedizin. Nach Stationen als Dorfärztin und in der Geburtshilfe, setzte sie ihren Schwerpunkt in der sozialpsychiatrischen Arbeit mit süchtigen Menschen. Zuletzt arbeitete sie als Klinikärztin in der Psychiatrie. Ulrike Blatter war viele Jahre Dozentin in der Erwachsenenbildung (schulmedizinische Ausbildung von Heilpraktikerinnen und psychologische Ausbildung körperzentrierter Psychotherapeutinnen).

“Mein eigentliches Berufsziel war die Geburtshilfe. Es gab tausend Gründe, warum das nicht funktionierte. Viele Jahre suchte ich abwechselnd den Fehler bei mir, bei meinen Vorgesetzten oder akzeptierte die Probleme achselzuckend als Zufall. Aber eigentlich folgte ich einem Plan. Ich musste es nur endlich vor mir zugeben …”

“Mein erstes längeres Prosastück war meine Doktorarbeit in Rechtsmedizin. Als sie fertig war, wollte ich sie wegwerfen und neu schreiben. Sie war so spannend, dass ich dachte, sie könne niemals seriösen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Aber Wissenschaft kann tatsächlich spannender sein als so mancher Krimi.”

Seit einem mehrjährigen Aufenthalt in Slowenien engagiert sie sich ehrenamtlich für Suchtprävention und kriegstraumatisierte Menschen auf dem Balkan. Sie ist Gründerin der AWO-Bosnienhilfe und begleitet seit 2002 ehrenamtlich ein Mentorenprojekt für junge Menschen in Bosnien.

“In Gražanica, einer bosnischen Stadt voller Flüchtlinge gab es nur stundenweise Strom und das Trinkwasser wurde in Badewannen gesammelt. Trotzdem fühlte ich mich dort auf seltsame Weise beheimatet. Ich rief meine Eltern an, schilderte ihnen die Umgebung und wie aus einem Mund riefen sie aus: „Wie bei uns damals, nach dem Krieg!“ Ich konnte der Tatsache nicht länger ausweichen, dass auch ich durch einen Krieg, den ich nie erlebt hatte, im Innersten geprägt worden war.”

Seit vielen Jahren engagiert sie sich für die Leseförderung bei Kindern. Sie arbeitet ehrenamtlich als interkulturelle Mentorin im Projekt Schreibdialoge der Universität Konstanz. Außerdem leitet sie Schreibwerkstätten für Senioren und schreibt im Ghostwriting Biographien.

“Ohne meine MentorInnen wäre mein Leben anders verlaufen. Mentoring bedeutet für mich, Danke zu sagen, indem ich anderen Mut mache. Immer wieder. Das erfordert Geduld und ich muss genau zuhören. Fähigkeiten, die mir auch beim Schreiben helfen. Nur wenn ich mich vollkommen auf meine Figuren einlasse, verraten sie mir ihre Geheimnisse und werden authentisch.”

Ulrike Blatter veröffentlichte zahlreiche Romane, Kurzgeschichten, Kinderbücher und Lyrik. Sie wurde für ihre Texte ausgezeichnet und erhielt mehrere Schreibstipendien. Ihre Texte gehen in die Tiefe und schärfen psychologische Profile. Die Themen Sucht, Trauma, Krieg und Flucht faszinieren sie vor dem Hintergrund ihrer beruflichen Erfahrung. Sie hat im Laufe der Recherchen auch zahlreiche Tiefeninterviews mit ZeitzeugInnen geführt. Auch autobiografische Erfahrungen prägen ihre Texte.  Ein immer wiederkehrendes Thema sind Gewalterfahrungen, die über mehrere Generationen tiefe Spuren in Familien hinterlassen.

“Immer wieder schenkten mir Freunde Krimis. “Du bist doch Gerichtsmedizinerin”, hieß es. “Bestimmt liebst du diese Bücher.” – “Es heißt RECHTS-Medizin”, verbesserte ich sie und stellte die Krimis ungelesen ins Gästezimmer. Meine Verleger nannten meine Geschichten “Krimis”. Dabei wusste ich nicht im Geringsten, wie ein Krimi funktioniert.”

Ulrike Blatter ist Mitglied im “Verband deutscher Schriftsteller”, bei den “Mörderischen Schwestern” und im “Syndikat”.

“Mittlerweile weiß ich, dass kein Leben unwichtig oder uninteressant ist. Man muss lediglich nach dem roten Faden suchen – und ehrlich sein. Zugegeben, ein bisschen Mut braucht es auch.”