Tag 23 und 24 unserer Donaureise: Budapest

In Budapest wollten wir eigentlich bei einem Warm Showers-Kontakt übernachten. Ihr erinnert euch: Warm-Showers ist ein internationales Netzwerk von RadlerInnen. Wir bieten einander – ähnlich wie beim Couchsurfen – Übernachtungsplätze, Halbpension und zwischendurch auch mal die eigene Waschmaschine an. Leider sagt uns unser Kontakt kurz vorher ab und wir landen im ersten Hostel, das auf unserem Weg liegt. Leider gibt es dort keinen Abstellraum, aber wir dürfen die Räder direkt neben der Rezeption parken, damit sie immer bewacht sind. Für diesen Extra-Service, den wir schon manchmal auf Reisen in Anspruch genommen haben, wird hier netterweise auch keine „Service-Gebühr“ berechnet. Das Hostel wird vorwiegend mit studentischen Hilfskräften betrieben, die unter der Aufsicht eines strengblickenden Managers stehen, der an einem klobigen Schreibtisch in der Empfangshalle sitzt. Mit der Zeit entwickeln sich interessante Gespräche – aber dazu später. Das Hostel selbst ist sehr ruhig – aber ansonsten nicht der Rede wert – sagen wir es mal so: Die Bilder, mit denen sich das Haus im Internet vorstellt, müssen aus einer anderen Zeit stammen … Deshalb verlinke ich es auch nicht.
Am nächsten Morgen lassen wir die Räder stehen und fahren mit der Metro ins Stadtzentrum. Budapest hat ein sehr gut ausgebautes Nahverkehrsnetz. Mit Metro, Tram und Bus kommt man rasch voran. Die Einzelfahrt kostet etwa 1,20 €, ein Tagesticket etwa 5,50 €. Wichtig ist, dass das Ticket vor Betreten des Bahnsteigs entwertet werden muss – denn dort und in den Waggons sucht man vergeblich nach Stempelmaschinen und die Kontrolleure warten gern mal an den Rolltreppen!
Treffpunkt für Leckerschmecker
Wer uns kennt, weiß, dass wir Augenschmaus und regionales Fastfood auf Märkten lieben und logischerweise ist unser erstes Ziel die große Markthalle. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und wirkt fast wie ein Bahnhof. Im unteren Stock drängeln sich Stände mit frischen Lebensmitteln und ungarischen Spezialitäten. Im oberen Stock hätte man einen guten Blick auf das Gewimmel, aber leider stehen auch dort die Stände dicht an dicht. Dort kann man mehr oder weniger originelle Souvenirs kaufen und man stärkt sich an Essensständen mit Gulaschsuppe und anderen deftigen Spezialitäten. Übrigens: was wir als Gulasch bezeichnen, heißt in Ungarn Pörkölt oder Paprikás und Gulyás ist dort eine Suppe! Wir haben trotz Frühstück schon wieder Hunger und können den leckeren Düften nicht widerstehen.

Brücke oder Nationaldenkmal?
Innerlich gut angefettet verlassen wir die trubeligen Markthallen und stehen vor der Freiheitsbrücke (Szabadság híd). Das 333 Meter lange Bauwerk ist eine von neun Straßenbrücken in Budapest, wurde kurz vor Kriegsende stark beschädigt, aber rasch wieder originalgetreu aufgebaut. Sie wird von zwei goldenen Greifvögeln gekrönt. Der mystische Vogel Turul ist eine Mischung aus Adler und Falke und spielt eine wichtige Rolle im Gründungsmythos der Magyaren, taucht aber auch in der Sagenwelt der Turkvölker und Hunnen auf. Der Turul ist leider nicht nur ein Fall für Märchen- und Geschichtsbücher, sondern war auch ein Symbol der Pfeilkreuzler, also dem ungarischen Ableger der Nazipartei. Ein völkisch geprägte Nationalismus prägt Ungarn weiterhin und Antisemitismus wird zwar heftig abgestritten, ist aber dennoch verbreitet (weitere Informationen zum Phänomen des Nationalvogels im interessanten Artikel „Heiliger Turul, steh uns bei!“)
Ab in die heißen Quellen!
Aber jetzt und hier wollen wir uns keinen Kopf über Politik machen. Zwischen kreischenden Trambahnen und mitten auf der Kreuzung versuchen wir während der kurzen Grünphase für Fußgänger ein paar Fotos der Brücke zu schießen und laufen dann rüber in den Stadtteil Buda. Unser Ziel ist das Grandhotel Gellért mit dem angeschlossenen Thermalbad. Die Stadt liegt auf einer geologischen Verwerfung. Erdbeben sind zwar kaum zu befürchten, aber Budapest hat über hundert Thermalquellen, wurde 1934 zur Badstadt und das Gellért Kurbad zum Sitz der Internationalen Gesellschaft für Balneologie. Aus dieser Zeit stammt auch die prächtige Art-Deco- und Jugendstilarchitektur.
Zuerst aber müssen wir in die Katakomben. In dem Buch „Auf Reisen“ hat Matthias Zschokke beschrieben, wie es ihm Rudás-Bad erging. Die Umkleiden scheinen überall in Budapest ähnlich organsiert zu sein: „Dort führt eine Treppe ein paar Stufen abwärts. Unten sitzt ein alter Mann und prüft den Kassenbon, reicht einem ein Schürzchen aus fadenscheinigem Leinen und weist hinter sich. Man […] gelangt in die Katakomben, in denen hölzerne, weiß angestrichene Badekabinen in langer Reihe stehen. […] Man hört Plätschern, Gurgeln, Stöhnen; die funseligen Glühbirnen sirren, Türen quietschen und schlagen […]. Man wählt eine freie Kabine, zieht sich aus, hängt die Kleider an den Haken, schnürt sich das Schürzchen um, tritt auf den Flur und steht ratlos, mit nacktem Hintern, da.“
Mathias Zschokke besuchte offensichtlich ein türkisches Bad – im Gellért darf man die eigene Badekleidung benutzen und der nackte Hintern bleibt uns erspart. Allerdings sollte man an die Badekappe denken. Wir haben keine im Reisegepäck und werden gezwungen, ein völlig überteuertes Exemplar zu erwerben, das eigentlich für meine Haarmähne viel zu klein ist – aber egal, das elastische Mützchen ist Pflicht, Diskussionen sind zwecklos.
Der Rest des Nachmittages ist reine Erholung. Wir plätschern uns durch sämtliche Becken, erobern zwischendurch sogar zwei nebeneinander stehende Liegestühle, um uns vor dem endgültigen Aufweichen zu retten. Schwimmen, Schlafen, Duschen, Kaffeetrinken in loser Reihenfolge – solange, bis wir uns wieder wie Menschen fühlen. Im Außenbereich gibt es ein Wellenbad (erbaut 1934!), in dem es wortwörtlich hoch hergeht. Die Preise sind für ungarische Verhältnisse heftig: 20 € an Wochentagen und am Wochenende 38 € – aber dafür hat so ein Tag in der Therme den Erholungswert einer Ferienwoche – und den Kunstgenuss eines Museumsbesuches gibt es ganz nebenbei obendrauf.

Unter diesem Link findet ihr weitere Bäder in Budapest und u.a. einen Videospaziergang durch das Gellért-Bad.
Zur blauen Stunde zwischen altem Gemäuer
Tiefenentspannt bummeln wir weiter durch das pittoreske , das den ehemaligen Stadtkern von Buda umfasst. Die imposanten Burganlagen wurden mehrfach zerstört und vorwiegend im barocken Stil wiederaufgebaut. Bei Restaurationsarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich aber auch vereinzelt gut erhaltene Reste der mittelalterlichen Bebauung im gotischen Stil. Wir bleiben außen vor, da an diesem Tag weite Teile wegen eines offiziellen Anlasses abgesperrt sind. In einem angesagten Restaurant essen wir Risotto und Spaghetti aus Riesentellern. Nun wissen wir wieder mal, warum wir normalerweise selbst kochen: während ich einigermaßen satt werde, füllt Joachims Designer-Portion grade mal einen hohlen Zahn (Langstreckenradfahrer haben einfach IMMER Hunger 😉 ).

Suchbild – wo ist die Katz? 
Zahnradbahn 


Matthiaskirche 
… hier ist die Katz!

Mittlerweile wird es dämmrig und die Sonne geht unter. Es beginnt die berühmte „blaue Stunde“, die ihren Namen zu Recht trägt: der Farbton des Himmels ist wirklich unbeschreiblich! Wir genießen den Ausblick gemeinsam mit vielen, vielen anderen Touristen auf der Aussichtsplattform der Fischerbastei. Dieses neoromanische Bollwerk wurde anstelle des ehemaligen Fischmarktes errichtet. Wir schwimmen mit in der Menge und ich habe fast mehr Spaß daran, andere Touristen zu fotografieren als den Blick über die Donau rüber zum berühmten Parlamentsgebäude zu genießen.
Runter geht es über zahlreiche Treppen und Gässchen, bis wir wieder am Ufer der Donau stehen. Mittlerweile ist es dunkel und die Kettenbrücke leuchtet magisch illuminiert über der dunklen Strömung.
Am gegenüberliegenden Ufer in Richtung des Parlamentsgebäudes befindet sich das eindrückliche Mahnmal, das an die massenhafte Erschießung von Juden durch die Pfeilkreuzler in den Jahren 1944 – 45 erinnert.
Stadtrundfahrt mit Geisterbahn
Wir beschließen den Abend mit einer speziellen Stadtrundfahrt: Die Tramlinie 2 fährt am Donauufer entlang und bietet besonders am Abend einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt. Kurz vor der Haltestelle Parlament durchfahren wir einen mit Graffitis besprühten Tunnel, der ein bisschen an eine Geisterbahn erinnert. Das Parlamentsgebäude wirkt wie eine Synthese des Doms von Florenz und Buckingham Palast. Als wir später aussteigen und zu Fuß zur Metrostation laufen, erschlägt uns die wuchtige Gründerzeitarchitektur von Pest fast. Aber zugegeben – wir sind auch sehr müde.
Inzwischen haben wir uns geeinigt, dass wir doch eine Nacht länger bleiben werden, die Stadt genießen und uns etwas Ruhe gönnen. Die nächste Etappe werden wir dafür mit dem Zug abkürzen.

Ein vollkommen uninteressanter Mensch
Der nächste Tag startet mit einem spontanen Interview. Auch für Budapest waren eigentlich Interviews vorgesehen und ich hatte im Vorfeld bereits einige junge Leute über soziale Netzwerke kontaktiert – aber alles verlief im Sande. Vor Ort bekommen wir eine Ahnung davon, warum das so ist. Inzwischen konnten wir ein bisschen Kontakt und Vertrauen zu dem netten jungen Mann aufbauen, der vormittags die Rezeption betreut. Auf meine Frage, ob er Lust hätte, über das Alltagsleben junger Menschen in dieser Stadt zu berichten, radebrechte er in fürchterlich schlechtem Englisch: „Sind Sie etwa Journalistin?“ Ich erkläre ihm, dass ich lediglich eine kleine Kolumne keine großen Reportagen schreibe, was ihn ein wenig beruhigt. Misstrauisch springt sein Blick hin und her zwischen mir und dem Hotelmanager, der im Hintergrund einen klobigen Schreibtisch besetzt hält und ebenso misstrauisch zurückschaut. „Nein, kein Interesse“, bedeutet er uns. „Ich bin auch kein interessanter Mensch. Sucht euch jemanden anderen!“ Eine Stunde später will er dann doch mit uns sprechen. Was den Sinneswandel verursacht hat? Keine Ahnung – aber er redet nun wie ein Wasserfall und mit jedem Satz wird sein Englisch besser. Der Manager macht lange Ohren, versteht aber – wie wir inzwischen wissen – kaum Englisch.
Der junge Mann, von dem wir kein Foto machen dürfen und der auch seinen Namen nirgends lesen will studiert Geschichte und Geographie auf Lehramt. Wir eröffnen das Gespräch mit einem Kompliment. In den letzten Tagen hatten wir den Eindruck, dass Ungarn wesentlich besser entwickelt sei als die Slowakei und vor allem der Lebensstandard höher sei. Er lacht schallend: „Das ist alles nur schöner Schein! 1 % der Bevölkerung ist irre reich und der Rest kommt maximal grade so über die Runden. Was denkt ihr denn, warum so viele junge Menschen und vor allem Akademiker abwandern?
Das Thema Braindrain begegnet uns auf unseren Reisen durch (Süd)Osteuropa immer wieder und wir waren schon oft mit der Verzweiflung junger Menschen über Armut und mangelnde Perspektiven konfrontiert. Um genau zu sein, ist dies ja auch der Motor unserer Reise: Wir wollen Projekte unterstützen, die Perspektiven für junge Menschen schaffen. Aber wie sieht es tatsächlich in Ungarn aus? Die Angaben, die man findet, sind widersprüchlich. Das Thema wird immer wieder heiß diskutiert, aber gleichzeitig wird die Bedeutung der Abwanderung von Regierungsseite und vonseiten der Universitäten heruntergespielt. Auf der anderen Seite tut Ungarn viel, um junge Menschen (besonders AkademikerInnen) ins Land zu holen. Allerdings ist die Zielgruppe meist unter den Auslandsungarn zu finden. Ansonsten verschließt Ungarn konsequent die Türen für Migranten.
„Ich gebe euch mal ein konkretes Beispiel“, fährt der junge Mann fort: „Der Durchschnittslohn in Ungarn beträgt etwa 350 €.“ (Anmerkung: nach unserer Recherche knapp 500 €) „Bei diesem Vollzeitjob verdiene ich in den Semesterferien 120 € monatlich. Wenn ich Lehrer bin und zehn Jahre gearbeitet habe, beträgt mein Gehalt immer noch weniger als 700 € pro Monat. Ist das gerecht?“
Eine kurze Internetrecherche bestätigt, dass es vor allem die handwerklichen Berufe sind, die in Ungarn oft unter dem gesetzlichen Mindestlohn bleiben. Akademiker sind offenbar besser gezahlt – allerdings finden sich Schullehrer tatsächlich am untersten Ende der Lohnskala bei den Akademikern. Ich gehe nicht davon aus, dass dieses kurze Gespräch mit dem jungen Mann eine belastbare Einkommensstatistik des Landes widerspiegelt – aber die Mischung aus Misstrauen, Frust und Angst ist eindrucksvoll und sicher ist er kein Einzelfall.
Eine große Sehnsucht hat er: „Ich würde so gern reisen, aber leider kann ich mir das nicht leisten.“ Auch das haben wir auf unseren Reisen schon oft gehört – fast immer verbunden mit einem großen Interesse und vielen Fragen an uns – frei nach dem Motto: Wenn ich schon nicht selbst ins Ausland komme, dann nutze ich wenigstens meine Kontakte zu Ausländern.
Reif für die Insel
Nach dieser geballten Ladung Probleme geht es für uns unbeschwert weiter – und zwar im wahrsten Wortsinn: Vollkommen ohne Gepäck schweben wir auf unseren Rädern über die Árpád-Brücke auf die Margaretheninsel (Margit-sziget), wo wir fast den ganzen Tag verbringen. Wir starten im ruhigeren, nördlichen Teil, wo am Eingang der Neptunbrunnen steht – ein Musikbrunnen, dessen Wasser alle 15 Minuten im Takt der Musik sprudeln soll. Leider funktioniert das heute nicht. Weiter geht es durch einen kleinen japanischen Garten. Radfahren ist auf den verschlungenen Zwischenwegen nicht erlaubt, aber hier ist es zu Fuß auch viel schöner.
Leider ist die Insel (noch) nicht ganz autofrei, aber der Verkehr hält sich in Grenzen und die meisten Menschen sind per Bus oder per Muskelkraft unterwegs. Die nächste Sehenswürdigkeit ist der 1911 erbaute Wasserturm. Er zählt zum Weltkulturerbe. Zu seinen Füßen befindet sich eine Freiluftbühne und das Innere beherbergt eine kleine Ausstellung, so dass der Aufstieg kurzweilig wird. Der Ausblick über die Stadt ist spektakulär. Dann müssen wir jedoch runter von der Insel, da wir unsere Weiterfahrt für morgen organisieren wollen.

Barrierefrei? Denkste!
An der Südspitze führt uns die zweite Inselbrücke (Margit híd) in die Innenstadt. Unser Ziel für morgen heißt Dunaújváros und erst einmal müssen wir rauskriegen, an welchem der drei Bahnhöfe unser Zug fährt und vor allem wann. Es steht zwar alles säuberlich aufgelistet im Internet, aber inzwischen haben wir durch bittere Erfahrungen lernen müssen, dass solche Angaben nicht immer mit den tatsächlichen Fahrplänen übereinstimmen. Unser Zug wird morgen am Südbahnhof abfahren – am Déli pályaudvar. Dafür gondeln wir durch die halbe Stadt und unterwegs passiert für mich ein kleines, großes Wunder: in meinem ersten Blogbeitrag zu dieser Reise hatte ich beschrieben, dass ich mit starken Schmerzen in dieses Abenteuer gestartet bin. Wir sind nun fast vier Wochen unterwegs und immer wieder hatte ich teils heftige Knieprobleme. Kurz bevor wir den Bahnhof erreichen, fahre ich an einer Ampel an und habe auf einmal ein Reißen im Knie, dass mir schier die Luft wegbleibt. Jetzt ist da drin etwas kaputtgegangen, ist mein erster Gedanke. Ich fahre vorsichtig weiter und nichts Schlimmes passiert, ja im Gegenteil: der Schmerz ist weg – vollkommen weg. Und ist seitdem auch nicht mehr wiedergekommen!
Der Ticketkauf im Bahnhof stellt sich als unkompliziert heraus und die Fahrplanauskünfte sind seriös. Wir zahlen für zwei Personen plus Fahrräder umgerechnet 12 €. Eine Sache macht uns jedoch Sorgen: Wir umrunden den Bahnhof mehrere Male und fragen nach, aber es ist und bleibt harte Realität: Déli pályaudvar ist alles andere als barrierefrei. Die Zufahrt ist im Souterrain und die Bahnsteige liegen im ersten Stock. Es gibt weder Rampen noch Aufzüge und auch keine Rolltreppen. Wir sehen Ungarn leichtfüßig mit geschultertem Fahrrad die Treppen hinaufeilen. Wie wir das morgen mit dem ganzen Gepäck hinkriegen werden, ist uns noch vollkommen schleierhaft. Auf jeden Fall planen wir genügend Zeit ein, um gegebenenfalls Räder und Gepäck separat hochzuschleppen.


Denkmal in der Nähe des Bahnhofs – oder Grabmal für zusammengebrochene Radler?!
Yo, Bro – the Auto must gogogo!
Die Rückfahrt durch den Feierabendverkehr hat einen Hauch von Gangsterfilm: Überall Stau und Baustellen, die den Radweg, sofern vorhanden, unpassierbar machen. Autoposer, die mit röhrenden Motoren zwischen Kavalierstart und Vollbremsung wechseln, erschrecken mich zu Tode, was vermutlich einen ziemlichen Unterhaltungswert für die jungen Kerle hat. Dann Blaulicht und Polizeisirenen – Stimmung wie bei einer Verfolgungsjagd durch Manhattan. Die Gesetzeshüter haben aber noch eine Spezialsirene – eine Art Brüllator, der eingeschaltet wird, wenn die Autos nicht schnell genug ausweichen. Die Geräuschkulisse ist infernalisch und wir brauchen dringend eine Pause.
Döner mit Baum
Eker Etteren ist eigentlich nur ein ganz normaler Döner-Imbiss, aber ich habe noch nie in einem Restaurant gegessen, in dem ein Riesenbaum mitten im Lokal steht und durch das Dach wächst. Das Essen ist übrigens auch prima und der Service sehr nett, weswegen ich den Laden gern verlinke.
Dann kehren wir wieder zurück auf die Margaretheninsel, wo wir den restlichen Abend verbringen. Die blaue Stunde ist heute Abend eher in Pastell und das gestern so klobige Parlamentsgebäude scheint schwerelos über den Wellen der Donau zu schweben. Heute schaukeln auf den Wellen des Flusses Unmengen an Treibholz. Richtig dicke Stämme sind dabei und wir fragen uns, wo die so plötzlich herkommen und ob es am Oberlauf ein Unwetter gegeben hat. Auf einmal wird uns klar, wie lange wir diesem Fluss schon folgen – und wie viel noch vor uns liegt. Neugier und Reiselust erwachen wieder. Wir fühlen uns gut erholt – aber diesen Abend wollen wir noch genießen, bevor es weitergeht!
Wir verbringen viel Zeit an den Wasserspielen am südlichen Parkeingang. Die Fontänen werden farbig angestrahlt und tanzen im Takt der Musik. Es sieht aus wie ein Feuerwerk aus Wasser. Wenn schon Kitsch, dann aber richtig denke ich und stehe mit Tränen in den Augen zwischen spielenden Kindern und tanzenden Erwachsenen. Omis verkaufen fluoreszierendes Leuchtspielzeug und ich möchte jetzt nicht über Mindestlöhne nachdenken, während ich einer alten Frau zusehe, wie sie sich eine Lichetrkette im Haar befestigt. Morgen geht es weiter. Aber dieser Abend ist verzaubert und einfach nur wunderschön!
Für die Statistik:
Tag 23: 09.08.2019
Budapest
12 Kilometer zu Fuß
Tag 24: 10.08.2019
24 km per Rad
TOTAL: 1555 Kilometer
Noch mehr Texte? Meine Bücher findet ihr hier: www.ulrike-blatter.de
Diese Reise war ein Spendenlauf für unsere Kinderprojekte in Bosnien. Trotz Corona haben wir uns auch 2020 zu einem Spendenlauf entschlossen – Es wird eine Mega-Herausforderung, nämlich 24 Stunden zu Fuß durch die Hegau- und Bodensee-Region. Mehr dazu gibts hier oder unter @HolidayChallenge bei Facebook und Instagram.

















































