08/15 2020

G’schichtn und Zeitreisen – urban Hiking in Wien

Tag 16 – 18 unserer Donautour: von Krems bis Wien

Bei Rossatz überqueren wir die Donau auf einer Fachwerkkonstruktion aus Stahl. Die Mauterner Brücke ist der älteste Donauübergang in dieser Gegend: Schon im 15. Jahrhundert gab es an dieser Stelle eine hölzerne Brücke. Gemeinsam mit der Kremser Eisenbahnbrücke bildete sie im Zweiten Weltkrieg einen Brückenkopf und beide wurden in den letzten Kriegstagen von der abziehenden Wehrmacht zerstört. Erst im Jahr 1951 wurde die große Eisenbahnbrücke wieder eröffnet, aber die „kleine“ Brücke, über die wir nun radeln, war bereits im Herbst 1945 wieder intakt: aufgebaut von deutschen Kriegsgefangenen unter Aufsicht der Roten Armee.

Von kriegerischen Konflikten haben wir jedoch die Nasen gestrichen voll. In Rossatz sind wir, salopp gesagt, auf dem Zahnfleisch gelandet und bis Wien sind es noch hundert Kilometer, aber die bringen wir mit Anstand hinter uns. Es reicht ja, wenn sich die Österreicher gegenseitig beharken. In wenigen Wochen sind vorgezogene Neuwahlen (Stichwort Ibizaaffäre) und überall hängen Wahlplakate. Aber nicht nur aus Wahlkampfgründen wird überall die tiefe Heimatverbundenheit betont. Als Kunde der Sparkasse ist man selbstverständlich „In der Welt zuhause“, hat aber mit der heimischen Bezahlkarte immer das „Daheim dabei“. Beim REWE in Krems werden Jobs angeboten mit „viel Österreich drin“. Ich gehe mal davon aus, dass sich dieser Spruch aufs regional erzeugte Gemüsesortiment bezieht und und auch MigrantInnen gute Chancen haben, einen Job im Supermarkt zu ergattern. Wir laben uns am regional erzeugten Sortiment auf dem Wochenmarkt und fahren weiter.

In Zwentendorf steht das wohl ungewöhnlichste Atomkraftwerk der Welt. Der Siedewasserreaktor war 1978 fixfertig gebaut, als eine Volksabstimmung verhinderte, dass der Betrieb aufgenommen wurde. Das AKW diente in der Folgezeit als Filmkulisse und Schulungscenter – können doch Bereiche betreten werden, die normalerweise verstrahlt wären. 2012 wurde das Bürgerbeteiligungsmodell „Sonnenkraftwerk Zwentendorf“ verwirklicht: anstelle der bei Kraftwerkserbauung vorgesehenen 700 Megawatt (MW) Kernkraftleistung wird jetzt mit einer Leistung von 450 Kilowatt (kW peak) Sonnenstrom für Haushalte und Industrie in der Region erzeugt. (Quelle: Homepage)

In der Gartenstadt Tulln machen wir eine Pause und genießen Eiskaffe und sonnenwarme Marillen. Leider haben wir keine Zeit für das Egon-Schiele-Museum, denn es liegt noch knapp die Hälfte der Strecke vor uns.

Die letzten Kilometer bis zur Stadtgrenze von Wien sind zwar flach, aber ziemlich eintönig. Sehenswert sind jedoch die Häuser unterhalb des Donaudamms – fast alle stehen aus Gründen des Hochwasserschutzes auf Stelzen.

Unser Campingplatz „Neue Donau“ liegt direkt am Eurovelo 6 auf dem gegenüberliegenden Ufer und wir erreichen ihn über die Donauinsel – und auch die zieht sich: Welche Millionenstadt kann schon von sich behaupten 42 Kilometer Strand zu haben? Die Donauinsel ist ein Freizeitparadies und bietet Schutzräume für gefährdete Arten, aber momentan interessiert uns nur eins: dass wir den Radweg über die Brücke finden und die steile Auffahrt zum Campingplatz gut hinkriegen. Für die berühmte Wiener Partyszene fehlt uns jegliche Energie. Aber heute Abend gibt’s zu den obligatorischen Vollkornnudeln ein leckeres Glas Rotwein!

Am nächsten Vormittag steht ein interessantes Interview auf dem Programm. Ihr findet es unter dem Titel „Was haben die, was wir nicht haben?“

Mit dem Bezirksrat und Vorsitzenden der Naturfreunde Herbert Wagner machen wir uns anschließend auf zu einer Stadtbesichtigung der besonderen Art. Urban Hiking ist Wandern in der Stadt, auch abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Urban trails sind zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, schweres Gepäck ist nicht notwendig, denn überall gibt es Möglichkeiten, den kleinen Hunger zu stillen. Am Wochenende raus aus der Stadt? Entdecke doch erst einmal deine eigene Stadt!, lautet die Devise. Historische und soziale Zusammenhänge verstehen, Geheimtipps austauschen, unentdeckte Winkel und spannende Geschichten aufstöbern – urban hiking bietet im Idealfall gleichzeitig Erholung und Anregung. „Und verkleinert ganz erheblich den klimaschädlichen Fußabdruck“, wie Herbert betont. Da unsere Zeit begrenzt ist, laufen wir nur den Ausschnitt einer größeren Tour. Alle Trails, die Herbert in Wien und Umgebung erstellt hat, findet ihr im Naturfreunde Tourenportal.

Von Kranken und lebenden Toten

Wir starten im Alsergrund zwischen den Gebäuden des ehemaligen Allgemeinen Krankenhauses. Mittlerweile befindet sich die Universitätsklinik im neuen AKH und die Gebäude, vor denen wir stehen, gehören zum Campus der Uni Wien. Ursprünglich befand sich hier einmal ein Armenhaus, das von Joseph II zum Krankenhaus umgeplant wurde. Nach der Eröffnung 1784 entstanden zahlreiche Spezialbauten, wie zum Beispiel das Gebär- und Findelhaus. Der Name Ignaz Semmelweis ist untrennbar mit dieser Klinik verbunden: Der „Retter der Mütter“ setzte als erster grundlegende Prinzipien der Hygiene im Krankenhausalltag durch und bekämpfte effektiv das Kindbettfieber, das damals unzähligen jungen Müttern das Leben kostete. Auch andere bahnbrechende Forscher wirkten hier, wie z.B. Karl Landsteiner. Er entdeckte die Blutgruppen. Nach wenigen Metern stehen wir vor einem weiteren Spezialbau, der architektonisch heraussticht: Der Narrenturm war die erste „Fachabteilung für Psychiatrie“ (was natürlich ein himmelschreiender Euphemismus ist) – in Auftrag gegeben von Jospeh II, der „aus den Augen der Menschen entfernen“ wollte, diejenigen, die „Schaden oder Eckel verursachen (…) Wahnwitzige und mit Krebsen behaftete Personen“. (Quelle: www.habsburger.net)

Der runde Turm erhielt in der Bevölkerung bald den Spitznamen „Guglhupf“, der auch heute noch in Österreich gern mal für psychiatrische Abteilungen verwendet wird. Als der Turm entstand, gab es natürlich den Begriff „Psychiatrie“ noch nicht und dementsprechend schwammig waren die Gründe, aus denen man in einer der 139 Zellen hinter dicken Holztüren landen konnte. Ausführendes Organ war die „medizinische Polizey“, deren Aufgabengebiet es war, gegen die „Unvernunft“ vorzugehen. So landeten im Narrenturm nicht nur Psychotiker und Depressive, sondern es konnte alle treffen, die gesellschaftlich am Rande standen: Arme und Arbeitslose ebenso wie invalide Soldaten oder diejenigen, die man damals als „Irre“ bezeichnete. Der Begriff des „Geisteskranken“ taucht erst sehr viel später auf und auch heute noch wird eine psychiatrische Diagnose in unserer Gesellschaft vielfach als Stigma empfunden. Die runde Form des Turms ermöglichte die mühelose Observierung aller Insassen, steht aber auch symbolisch für die Zentralisierung staatlicher Macht. Herbert definiert den Turm trocken als „Panoptikum totaler gesellschaftlicher Überwachung“. Heute ist dort die pathologisch-anatomische Sammlung der Medizinischen Fakultät untergebracht. Der Narrenturm bleibt also ein Ort zum Gruseln und es überläuft uns noch einmal kurz, als wir nach wenigen Schritten in die Sensengasse einbiegen. Aber genau hier, in diesem stillen Winkel findet sich eine kleine Gemüse-Oase: Im Grätzlgarten 9 trifft Urban hiking auf urbanes Gärtnern (Als Grätzl wird übrigens ein Quartier oder Stadtviertel bezeichnet). Nur wenige Schritte weiter und wir stehen im Arne-Carlsson-Park, einer gar nicht so kleinen grünen Insel, die von lärmigen Zufahrtsstraßen eingerahmt wird.

Treppauf – treppab

Wien ist bekannt für seine Stiegen und Treppen und ihnen hat Herbert auch eine eigene Tour gewidmet. Unterhalb der Strudlhofgasse beginnt die Strudlhofstiege. Der Hofmaler Peter Strudl gründete dort 1688 eine der ältesten Kunstakademien Europas. Mit ihren zwei Brunnen und den symmetrisch gebogenen Treppen gleicht sie den Show-Treppen, die Hollywood-Stars hinuntertanzen. Eine perfekte Inszenierung! Ich wundere mich, dass ich mein Rad so bequem hinunterrollen lassen kann. „Es sieht zwar auf den ersten Blick nicht danach aus“, erklärt Herbert. „Aber die tiefen Stufen mit den geringen Abständen galten damals als behindertengerecht – auch wenn es diesen Ausdruck damals noch gar nicht gab.“

Unterhalb der Strudlhofstiege stehen wir vor dem im römischen Stil erbauten Palais Liechtenstein und schauen kurz in die barocken Gartenanlagen. Eine Zeitlang war dort ein Museum untergebracht. Heute kann man die üppig ausgestatten Prunkräume nur noch im Rahmen angemeldeter Führungen besuchen – oder für „hochexklusive Veranstaltungen“ anmieten.

Jüdisches Leben in Wien

Wien verzeichnet seit dem Mittelalter ein jüdisches Gemeindeleben und nach der Emanzipation und der gesellschaftlichen Gleichstellung (Toleranzedikt) erreichte das jüdische Leben ab dem 19. Jahrhundert einen Höhepunkt. Nicht nur in Wissenschaft und Kultur, sondern auch in der Wirtschaft, in puncto gesellschaftliche Entwicklung und Politik sind viele berühmte jüdische Namen dieser Epoche mit der Stadt Wien verbunden. Unsere Wanderung ist lediglich ein Streifzug durch die Geschichte, aber sowohl für den Beginn jüdischer Geschichte als auch für den Schmerz des Holocausts stehen zwei Orte im 9. Wiener Bezirk. Bis in die dreißiger Jahre hinein war der Alsergrund das Gebiet mit der zweithöchsten jüdischen Bevölkerungsdichte in Wien. Versteckt im Innenhof der Seniorenwohnanlage „Rossau“ an der Seegasse findet sich der älteste jüdische Friedhof Wiens, der wie durch ein Wunder von den Nazis nicht zerstört wurde. Viele Jahre war seine Existenz fast vergessen: Die jüdische Gemeinde hatte einige der über 900 Grabsteine in Sicherheit gebracht und auf dem Wiener Zentralfriedhof vergraben. Im Rahmen von Sanierungsarbeiten stellte sich heraus, dass auf dem ursprünglichen Friedhofsgelände ebenfalls Steine vergraben waren. Bei mehr als 300 Steinen konnte der ursprüngliche Standort mittlerweile rekonstruiert werden und so blicken wir auf den weltweit einzigen jüdischen Friedhof, der sich (wieder) im Originalzustand befindet, so wie er vor dem zweiten Weltkrieg ausgesehen hat.

Nach jüdischem Glauben schlafen die Toten nur und warten in den Gräbern auf die Auferstehung am Jüngsten Tag. Deshalb werden die Grabstellen nie aufgehoben und bestehen für die Ewigkeit. Bis ins 18. Jahrhundert waren auch prunkvolle Grabsteine unüblich – da im Tode alle Menschen gleich sind. Umgeben von Wohnhäusern, im Hinterhof einer Seniorenwohnanlage, ist dieses Feld der „Schlafenden“ einer der ungewöhnlichsten Friedhöfe, die ich jemals besucht habe. Wenige Schritte weiter, in der Servitengasse, blicken wir mit gesenkten Köpfen auf die „Schlüssel gegen das Vergessen“. In den Boden ist eine gläserne Vitrine eingelassen, in der 426 altmodische Schlüssel liegen, an denen jeweils ein Namensschild hängt, das an die Menschen erinnert, die im Rahmen des Holocaust aus den umliegenden Wohnungen vertrieben wurden. Von 426 Menschen haben 377 in der Servitengasse gelebt, 85 hatten Geschäfte in der Gasse. 133 kamen in Konzentrationslagern ums Leben, fünf überlebten das KZ. Ein eindrücklicher „Stolperstein“, der auf die Initiative einer Frau zurückgeht, der es keine Ruhe ließ, als sie erfuhr, was mit den Menschen in ihrem Haus geschehen war. (weitere Informationen siehe hier).

Von falschen Schotten, osmanischen Türken und geschlagenen Franzosen  

Wenn ich das Wort „Gasse“ höre, taucht vor meinem inneren Auge ein enger, dunkler Durchgang auf, aber die Gassen, die wir gerade eben durchwandert haben, sind fast ausschließlich breite Straßen, gesäumt von eindrucksvollen Bürgerhäusern. „In Wien entscheidet nicht die Größe einer Straße, darüber, ob sie „nur“ eine Gasse ist“, werden wir belehrt. Eigentlich ist es ganz einfach: „Alle Verkehrswege mit Anbindung an die Ringe sind „Straßen“ und alle Querverbindungen innerhalb eines Quartiers werden „Gasse“ genannt. Auf jedem Straßen (und -Gassen)-Schild befindet sich außerdem die Nummer des zugehörigen Gemeindebezirks; z.B. 1., Rathausplatz. Nach Eingemeindungen wurde ab dem 19. Jahrhundert munter immer weiter durchnummeriert. Aktuell zählt Wien 23 Gemeindebezirke.

Der erste Gemeindebezirk umfasst im Wesentlichen das Stadtzentrum, also den Teil, der früher von einer Stadtmauer umgeben war. Aber die Stadt wuchs schnell und Siedlungen dehnten sich auch jenseits der Mauern aus. Irgendwann einmal war Wien die fünftgrößte Stadt Europas – eine richtige Metropole. Die mittelalterlichen Vorstädte wurden während der ersten Türkenbelagerung niedergebrannt – übrigens nicht vom Feind, sondern, um den anstürmenden Truppen die Deckung zu nehmen. Auch während der zweiten Türkenbelagerung (korrekt: Belagerung durch die Osmanen) litten die Vorstädte. Zu ihrem Schutz entstand ein Linienwall. Auch aus meiner Heimatstadt Köln kenne ich das Phänomen, dass Stadtmauern irgendwann beengen und das vorgelagerte Verteidigungslinien entweder in Ringstraßen oder Grüngürtel umgewandelt werden. In Wien kam außerdem noch die Donauregulierung hinzu, die ebenfalls den Stadt- und Naturraumraum gehörig umgestaltete. Jedes einzelne dieser Stichworte wäre einen eigenen Blogbeitrag wert. Auf unserem Streifzug beschränken wir uns jedoch auf ein paar Straßennamen: Dass die Türkenstraße an die osmanischen Belagerungen erinnert, erschließt sich auch dem Laien. Mit dem Schottenring ist das schon etwas schwieriger. 1155 machte Heinrich II, genannt Jasomirgott Wien zur Residenz des neugeschaffenen Herzogtums Österreich. Im selben Jahr berief er – zwecks verbesserter Reputation – irische Mönche aus Regensburg, um in Wien ein Kloster aufzubauen. Damals bezeichnete man die Iren als „Scoti“, also Schotten – was den Straßennamen erklärt. Einen Napoleonsplatz oder eine Napoleonstraße habe ich in Wien übrigens vergeblich gesucht. Der französische Kaiser regierte zwar 1809 fünf Monate von Schloss Schönbrunn aus, hatte aber nach der Schlacht bei Aspern den Nimbus der Unbesiegbarkeit endgültig verloren. Von unserem Campingplatz aus ist das ehemalige Schlachtfeld nicht weit entfernt – die damaligen Kriege forderten einen unglaublichen Blutzoll, berichtet Herbert. Innerhalb von zwei Tagen waren insgesamt 50.000 Soldaten gefallen. Es folgten die Befreiungskriege und mit dem Wiener Kongress die politische Neuordnung Europas. Auch hierzu habe ich auf der Straßenkarte Wiens keine Anmerkungen gefunden. Allerdings ist Wien seit dem Brexit wieder die fünftgrößte Stadt der EU – und wird glücklicherweise lediglich von Touristenströmen „belagert“ und nicht mehr von feindlichen Armeen. Über ein Erbe Napoleons freuen wir uns allerdings auf allen unseren Radreisen: Er war es nämlich, der die baumgesäumten Überlandstraßen „erfand“. Auf Heereszügen mussten die Soldaten tagelange Fußmärsche überstehen – und die waren im Schatten von Alleen einfacher zu bewältigen. Napoleon ließ vor allem die schnellwachsende Pyramidenpappel pflanzen, die im Sommer Schatten bot und im Winter den Straßenverlauf leichter erkennbar machte.  

Wer noch mehr zu historischen Straßennamen in Wien lesen will, schaut hier.

An der Schwelle einer neuen Zeit

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machten Naturwissenschaften und Technik rasante Fortschritte. In der Gründerzeit wurden nicht nur einzelne Firmen, sondern wahre Imperien geschaffen. Auf der anderen Seite stand eine verarmte und weitgehend rechtlose Arbeiterschaft sowie ein von Spekulanten geprägter Wohnungsmarkt. Auf den Aufschwung folgten Börsenkrach und Stagnation – die Resignation des Fin de siècle schlägt sich auch in der Kunst nieder. Auf unserer Tour durch die Stadt kommen wir an drei vollkommen unterschiedlichen Zeugen dieser Zeit vorbei:

Die Lohnerwerke in der Porzellangasse: Auch das gibt es nicht jeden Tag: eine Autofabrik mitten in einem Wohngebiet in der Innenstadt! Ursprünglich fertigte diese Manufaktur hochherrschaftliche Kutschen. Das Management ging aber mit der Zeit und so wurde die Produktion ab der Jahrhundertwende auf alle nur denkbaren motorisierten Fortbewegungsmittel umgestellt – sogar Flugzeuge waren im Angebot. Die fertigen Autos mussten mit einem Kran aus dem oberen Stockwerk herausgehoben werden. Mit dem Lohner-Porsche wurde hier 1902 eines der ersten Hybridfahrzeuge weltweit entwickelt. 1970 wurden die Lohnerwerke von Bombardier übernommen und sind seitdem vor allem auf die Herstellung von Straßenbahnen spezialisiert. Ich will keine Werbung machen (und werde nicht für Produktplacements bezahlt), aber schaut euch mal den zweisitzigen „Stroler“ im Retrolook an – ein optischer Leckerbissen!

Berggasse 19: Hier steht immer noch ein weltberühmtes Sofa, denn in diesem Haus lebte und arbeitete Siegmund Freud, der „Erfinder“ der Psychoanalyse fast ein halbes Jahrhundert. In den ehemaligen Privaträumen ist heute ein Museum untergebracht, das Ende August 2020 komplett renoviert und erweitert wieder seine Tore öffnet. Ein zweites Freud-Museum befindet sich in London, denn die Nazis zwangen ihn als Juden 1938 ins Exil.  

Anschließend passieren wir das Gründungslokal der Naturfreunde Österreichs und erfahren, dass die Naturfreunde international gesehen, die größte ökologische Bewegung der Welt sind. Mit einer Million Mitglieder zählen sie gleichzeitig zu den größten NGOs (Nichtregierungsorganisationen) überhaupt. Um die Jahrhundertwende als Produkt der Arbeiterbewegung entstanden, setzen sie sich ein für Umweltschutz, sanften Tourismus und einen demokratischen Sozialismus. Mit anderen Worten: Wir verstehen uns.  

Unsere Tour endet zwischen Sigmund-Freud-Park und Rooseveltplatz im Schatten der Votivkirche. Auch hier gäbe es viel zu erzählen – Herbert ist eine Enzyklopädie auf zwei Beinen – aber für heute soll es genug sein; meine mentale Festplatte ist übervoll 😉

Entspannung und den gaaanz großen Überblick finden wir wenig später im Prater, wo wir mit Begeisterung und schwer verliebt eine Runde auf dem Riesenrad drehen.

***

Am nächsten Tag starten wir wieder mit einem Interview. Diesmal sogar begleitet von Dreharbeiten. Aber jetzt spreche ich selbst zur Abwechslung mal ins Mikrofon. Den Film über meinen neuen Roman „Töchter des Todes“ und unsere Projekte in Bosnien findet ihr in „Zäuners Krimisalon“ auf YouTube.

Den Rest des Tages lassen wir uns durch die Stadt treiben, besichtigen das Hundertwasserhaus und den Stephansdom. Auch hierzu gäbe es viele Geschichten – aber die dürft ihr gern selbst recherchieren 😉

Morgen werden wir nicht nur Wien verlassen, sondern auch Österreich. Die Slowakei und Ungarn liegen nur noch eine Tagesreise entfernt.

Diese Reise war ein Spendenlauf für unsere Kinderprojekte in Bosnien. Trotz Corona haben wir uns auch 2020 zu einem Spendenlauf entschlossen – Es wird eine Mega-Herausforderung, nämlich 24 Stunden zu Fuß durch die Hegau- und Bodensee-Region. Mehr dazu gibts hier oder unter @HolidayChallenge bei Facebook und Instagram

Für die Statistik:

Tag 16: 02.08.2019
Wachau – Krems – Tulln – Wien
102 km

Tag 17: 03.08.2019
Interview und Urban Hiking
30 Kilometer


Tag 18: 04.08.2019
Interview und Drehen für Zäuners Krimisalon – Hundertwasserhaus – Stefansdom
20 Kilometer
TOTAL 1170 Kilometer